Samstag, 4. Mai 2024
Giftcocktail lässt Hummeln kalt
Dienstag, 30. April 2024
Bayer plant mit Bioinsektizid für Raps
Samstag, 30. März 2024
Protest gegen geplante Glyphosat-Freigabe
Samstag, 24. Juni 2023
BUND: "Bienenfreundliche" Pflanzen oft hoch gefährlich
Für die neue Studie hatte der BUND vor Beginn der Sommergartensaison 22 Stauden mit dem Etikett "bienenfreundlich" aus Gartencentern und Baumärkten testen lassen, darunter Lavendel, Goldmarie, Blaukissen, Akelei und Phlox. Das Ergebnis war - wie in den Vorjahren - niederschmetternd: 64 Prozent der Pflanzen enthielten für Bienen hochgefährliche Pestizide. Auf 16 Prozent - oder 73 Prozent - wurden auch für Menschen besonders gefährliche Pestizide entdeckt.
Die Pestizidexpertin der Organisation, Corinna Hölzel, beklagte, dass der Zierpflanzenbau katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier hat: "Ein Lavendel war mit 22 verschiedenen Pestiziden belastet, von denen acht der menschlichen Gesundheit schaden, zwei bienengiftig sind und zwei nicht einmal zugelassen waren." Ihrer Ansicht nach kann ein solches Produkt nur als "illegaler Sondermüll" bezeichnet werden.
Insgesamt waren in den getesteten Pflanzen 38 Pestizide gefunden worden. Fünf von ihnen waren hoch bienengefährlich und 20 hoch gefährlich für die menschliche Gesundheit. Sieben Wirkstoffe hatten noch nicht einmal eine Zulassung für Zierpflanzen in Deutschland. Fünf der 22 Pflanzen hätten gar nicht verkauft werden dürfen.
Hölzel beklagte deshalb vor allem die Lage in den Herkunftsländern der Züchtungen: "Der Großteil der Jungpflanzen stammt aus dem globalen Süden, zum Beispiel aus Ländern Afrikas und Lateinamerikas. Dort sind Arbeitskräfte billig, die Gesetzgebung ist oft schwach, und hoch gefährliche Pestizide sind im Dauereinsatz. Besonders die ArbeiterInnen auf den Plantagen sind dieser Gefahr ausgesetzt. Leider haben Käuferinnen und Käufer von Zierpflanzen in Deutschland keine Chance, diese skandalösen Produktionsbedingungen zu erkennen. Denn es gibt weder Kennzeichnungspflichten noch Grenzwerte." Man könne Zierpflanzen nur im guten Glauben kaufen. Wenn diese jedoch Rückstände bienengefährlicher Pestizide enthielten, werde die gewünschte Bienenrettung zur Giftfalle.
An die Bundesregierung gerichtet stellte der BUND aktuell die Forderung, den Pestizideinsatz auch in Deutschland mindestens bis 2030 zu halbieren. Zudem dürften besonders gefährliche Pestizide nicht länger hergestellt und ins Ausland exportiert werden. Hersteller und Händler von Zierpflanzen müssten verpflichtet werden, gefährliche Wirkstoffe in der Produktionskette ausschließen. VerbraucherInnen riet der BUND, Bio-Pflanzen zu kaufen oder Zierpflanzen aus regionalen Gärtnereien, die vollständig dort gezogen werden.
Samstag, 6. Mai 2023
Zehn Jahre EU-Debatte um Neonikotinoide
Viele synthetische Pestizide vernichten auf dem Acker nicht nur unerwünschte Insekten oder Krankheitserreger, sondern nützliche oder zumindest unschädliche Organismen gleich mit. Neonikotinoide sind synthetisch hergestellte Insektizide, die dem Umweltbundesamt (Uba) zufolge die Weiterleitung von Nervenreizen stören. Sie wurden demnach verbreitet unter anderem als Beizmittel für Saatgut eingesetzt, um dieses vor dem Befall mit Schadinsekten zu schützen, können aber auch als Granulat in Böden ausgestreut werden.
Die EU-Staaten hatten am 29. April 2013 den Weg frei gemacht für ein teilweises Verbot der Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Die Auflagen wurden 2018 nochmals verschärft. Seitdem dürfen diese Insektizide - wenn überhaupt - nur in Gewächshäusern, aber nicht mehr auf Äckern angewendet werden. Studien zufolge schädigen diese Neonikotinoide Wild- und Honigbienen erheblich.
Wenn wirklich mal ein Schaden auftritt, dann dürfe der Einsatz solcher Mittel nur nach strenger Kontrolle erlaubt werden, forderte Menzel. Neonikotinoide können Analysen zufolge etwa die Lern- und Orientierungsfähigkeit der Bienen beeinträchtigen und die für die Bestäubung wichtigen Tiere sogar lähmen und töten. Die Moleküle werden auch von Blüten und Pollen aufgenommen und verbreiten sich so in der Umwelt.
Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, erklärte, das Verbot der drei Wirkstoffe habe den Infektions- und Befallsdruck von Schadinsekten deutlich anwachsen lassen. Dies betreffe beispielsweise Zuckerrüben und Raps: "Hier kommt es zu erheblichen Ertragseinbußen auf den befallenen Feldern." Zu den einst damit bekämpfen Schädlingen gehören etwa Maiswurzelbohrer und Rapsglanzkäfer. Die immer milderen Winter verbesserten zusätzlich die Bedingungen für Insekten, die ein schädliches Virus übertrügen, erläuterte Krüsken. "Jeder Wirkstoff, der nicht mehr zur Verfügung steht, hinterlässt eine Lücke und muss ersetzt werden. Durch die immer umfangreicheren Zulassungsverfahren werden die Lücken größer", fasste er die sich tendenziell verschärfende Problematik zusammen.
Wie der Neurobiologe Menzel erläuterte, werden in Deutschland nach wie vor neue Neonikotinoide entwickelt oder sind bereits auf den Markt gebracht. Diese wirkten zwar erst in höheren Dosen als ihre Vorgänger tödlich. Allerdings könnten sie auch bei niedrigeren Dosen sehr schädigend wirken - etwa auf die Brutentwicklung, die Navigation oder das Lernvermögen - also "die wichtigsten Eigenschaften für bestäubende Insekten". Nach Menzels Einschätzung zählen aktuell etwa die Hälfte der eingesetzten Insektizide zu den Neonikotinoiden. Diese Mittel sollten wegen ihrer Eigenschaft, sich in der Umwelt auszubreiten und sie extrem zu schädigen, möglichst komplett verboten werden, forderte der Neurobiologe.
Grundsätzlich seien viele Chemikalien für den Pflanzenschutz in der Landwirtschaft wie Insektizide oder Unkrautbekämpfungsmittel zu günstig, mahnte der Experte. Bei Monokulturen sei es für die Höfe oft wirtschaftlicher, mit der Spritzkanone über das Feld zu fahren - statt traditionell den Acker zum Schutz vor Schädlingsbefall umzugraben oder einen Fruchtwechsel einzuhalten. Im Kampf gegen den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft sieht Menzel die größte Entscheidungsgewalt bei den Verbrauchern: "Wir müssen in einem größeren Ausmaß bereit sein, für Lebensmittel mehr Geld einzusetzen." Auf Landwirten rumzuhacken löse nicht das Problem: "Die Verbraucher müssen den Bauern das teurere Bio-Produkt auch abnehmen."
Dienstag, 2. Mai 2023
Aktion zu Offenlegung von Spritzdaten
Samstag, 16. Juli 2022
Winterbienen weniger anfällig für Neonicotinoide?
Imidacloprid zählt zu den Neonicotinoiden, die Nikotin imitieren und für Insekten giftig sind. Dieses starke Insektizid wird in der Landwirtschaft häufig zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Es ist wahrscheinlich, dass Honigbienen bei der Nahrungssuche auf dem Feld oder durch kontaminierte Bienenstockprodukte auf Imidacloprid stoßen.
"Obwohl Imker die Toxizität von Imidacloprid für Honigbienen als Problem betrachten, ist das Studienergebnis eine gute Nachricht für Imker", betonten Miguel Corona und Mohamed Alburaki, Forscher am ARS. "Unsere Arbeit zeigt, dass Winterhonigbienen unerkannte physiologische Mechanismen haben, um den Auswirkungen von Insektiziden entgegenzuwirken."
Die Studie bewertete Unterschiede im Ernährungsverhalten von Sommer- und Winterhonigbienen in einer kontrollierten Laborumgebung. Die Forscher verabreichten den Bienen nach Bedarf subletale Dosen des mit Imidacloprid versetzten Sirups. Winterbienen konsumierten bevorzugt mit Imidacloprid versetzten Sirup gegenüber unbehandeltem Zuckersirup, während Sommerhonigbienen die sichere Wahl trafen und es vermieden, jedes Mal den mit Sirup versetzten Sirup zu konsumieren.
Laut Corona ist es wichtig, die Unterschiede in der Ernährung von Sommer- und Winterhonigbienen zu untersuchen. Honigbienenvölker überlebten extreme saisonale Unterschiede in Temperatur und Futter, indem sie zwei saisonale Arbeiterphänotypen produzieren: Sommer- und Winterbienen. Diese saisonalen Phänotypen unterschieden sich erheblich in ihren psychologischen Eigenschaften sowie ihrer Krankheitsanfälligkeit und Fähigkeit, mit giftigen Substanzen umzugehen.
"Winterbienen und Sommerbienen unterliegen physiologischen Veränderungen, um mit drastischen saisonalen Temperaturschwankungen und der Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen fertig zu werden", sagten Corona und Alburaki. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass langlebige Winterbienen besonders gut angepasst sind, um ein höheres Maß an chemischen Stressoren zu tolerieren." So könnten Winterbienen eine viel stärkere Vergiftung durch Imidacloprid vertragen, während sie in normalen Feldstudien noch immer anfällig für höhere Konzentrationen desselben Insektizids seien.
Montag, 4. Juli 2022
Themenabend Pestizide bei arte
Samstag, 15. Januar 2022
Pestizidatlas - 19 Kapitel reiner Horror
Schon im Vorwort wird einem dabei ganz zweierlei, denn es wird festgehalten, dass der Einsatz von Pestiziden weltweit weiter stetig nach oben geht, obwohl die gesundheitlichen und ökologischen Folgen lange bekannt sind. Pro Jahr sind weltweit 385 Millionen Fälle von Pestizidvergiftungen dokumentiert. - Was uns Europäern nicht auffällt, weil vor allem Menschen in Entwicklungsländern davon betroffen sind. Darüber hinaus verschließen wir die Augen davor, dass unsere Unternehmen Spritzmittel herstellen und exportieren, die auf unserem Kontinent aus ökologischen oder gesundheitlichen Gründen nicht zugelassen sind.
Mittwoch, 6. Oktober 2021
Ausbreitung des Pestizids Thiamethoxam
Trotz EU-weiten Verbots ist das für Bienen und andere Insekten hoch gefährliche Pestizid Thiamethoxam aus der Gruppe der Neonicotinoide dieses Jahr in Deutschland großflächig eingesetzt worden. Jetzt breitet sich das Insektengift unkontrolliert aus.
In Wasserproben aus Bayern wurde die Chemikalie in einer Konzentration festgestellt, die 50-mal höher ist als das, was noch als akzeptabel gilt.
In einem sehr empfehlenswerten "Spiegel"-Interview (hier der Link) warnt Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung nun vor Gefahren für das Ökosystem.
Samstag, 7. August 2021
Bienen stellen ihre Ernährung nach Kontakt mit Pestiziden um
Thiacloprid ist zwar seit 2020 in der EU nicht mehr zugelassen. "Es ist aber nur ein Gift aus der großen Klasse der Neonicotinoide und wird nach wie vor weltweit eingesetzt", sagte Dalial Freitak vom Institut für Biologie der Universität Graz. Ihr Team hatte mehrere Bienenstöcke mit verschiedenen Nahrungsquellen gefüttert und setzte die Bienen anschließend nicht-tödlichen Dosen von Thiacloprid aus. Danach wurden drei verschiedene Arten von Honig und Pollen in getrennten Auswahltests angeboten und das Verhalten der Bienen aufgezeichnet. Es zeigte sich, dass die Pestizidbehandlung einen deutlichen Einfluss auf die Nahrungswahl hatte. Zur Auswahl standen eine 70-prozentige Zuckerlösung, sortenreiner Honig (monofloral) und Mischhonig (polyfloral) sowie in einem weiteren Durchgang unterschiedliche Pollen.
Auch als die Bienen zwischen polyfloralen, monofloralen Pollen oder einer Zuckerlösung wählen konnten, entschieden sich sowohl die behandelten als auch die unbehandelten Bienen für den polyfloralen Pollen. "Sie scheinen komplexere Lebensmittel zu bevorzugen, unabhängig davon, was sie zuvor hatten, wahrscheinlich aufgrund evolutionärer Anpassungen", vermuteten die Autoren. Frühere Studien hätten auch schon gezeigt, dass der Verzehr von Pollen mit hoher Diversität die Toleranz gegenüber Pestiziden verstärke, unzureichende Versorgung aber die Stressresistenz verringere.
In Bezug auf die Mobilität hing die Wirkung von Pestiziden von der vorherigen Nahrungsquelle ab: Es zeigte sich, dass die Pestizidbehandlung zu einer geringeren Mobilität der Bienen führte, die zuvor mit monofloralem Honig gefüttert wurden. Bienen, die eine Zuckerlösung bekamen, waren mobiler.
Samstag, 5. Juni 2021
EU hinkt eigenen Zielen hinterher

Als Erfolg wertete die Kommission unter anderem den Aufbau eines EU-weiten Systems zur Überwachung der Arten und ihres Rückgangs. Auch die Information der Öffentlichkeit sei vorangekommen. Gegen Verlust von Lebensräumen und Auswirkungen von Pestiziden müsse jedoch mehr getan werden, befand die Behörde. Sie verwies darauf, dass in ihren Strategien zur gesunden Agrarproduktion und zum Schutz der Biodiversität spezifische Ziele bis 2030 festgelegt seien. Unter anderem soll der Einsatz von chemischen Pestiziden um 50 Prozent verringert werden.
Samstag, 10. April 2021
Dokumentation zu pestizidfreier Landwirtschaft
Samstag, 27. März 2021
Brutpflege im Zeitraffer gefilmt
Das Institut für Bienenkunde in Oberursel hat die Brutpflege der Bienen gefilmt - vom Ablegen des Eis durch die Königin, über die Futtersaftgabe an die Larven durch die Ammenbienen bis zur Bienenbrotbearbeitung durch die Sammelbienen. Grundsätzlich wissen wir Imker ja, was passiert, aber das Ganze auch zu sehen, ist schon noch einmal etwas anderes...
Samstag, 15. August 2020
Petition "Schützt die Biene vor Gentechnik"
Mit dem Argument, die Bienen schützen zu wollen, greifen Forscher in deren Erbgut ein. Beim Genome Editing soll beispielsweise mit genveränderten Darmbakterien in das Immunsystem der Honigbiene eingegriffen werden, um sie vor Krankheiten zu schützen. Andere Wissenschaftler arbeiten daran, das Erbgut der Biene mit der Genschere CRISPR/Cas resistenter gegen Pestizide zu machen. Die Überlegungen gehen sogar so weit, Bienen gentechnisch so zu manipulieren, dass sie durch gezieltes Ein- und Ausschalten von Genen zur Bestäubung auf ausgewählte Felder gelenkt werden können. Dieser Gene Drive genannte Mechanismus könnte aber auch ganze Arten auslöschen.
Als offenstes aller landwirtschaftlichen Produktionssysteme ist die Imkerei besonders von der neuen Gentechnik betroffen. Vor dem Hintergrund aktueller Versuche mit gentechnisch veränderten Darmbakterien zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten warnte unter anderem Randolf Menzel: „Da Bakterien außerordentlich schnell mutieren, lässt sich nicht ausschließen, dass sie ihre Wirkungen auf andere Tiere und den Menschen übertragen. Welche Auswirkungen damit verbunden sein können, ist nicht vorherzusehen. Aus diesen Gründen halte ich die Anwendung dieser Methode außerhalb des Labors für nicht verantwortbar.“
Zur Teilnahme an der Petition!
Die konkreten Forderungen der Petition sind auf den Punkt gebracht:
Schützt die Biene vor Gentechnik.
Das Gentechnik-Grundsatzurteil des EuGH darf nicht dereguliert werden.
Keine Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann.
Keine Freisetzung von Gene-Drive-Organismen gemäß der Resolution des Europäischen Parlaments.
Dienstag, 4. August 2020
Spion im Bienenstock
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| Bild: Eva Huber / BR |
Ein Spion im Bienenstock - so könnte man das nennen, was Imker Johannes Selmansberger aus Kapfing bei Landshut in einem seiner Bienenvölker installiert hat. Der Imker in Bayern öffnet den Bienenstock und zieht eine Wabe heraus, an dem ein Elektrokabel hängt. "Das ist die Messwabe", sagt er. Auf der Hälfte der Wabe wuseln Trauben von Bienen, die andere Hälfte besteht aus zwei Plexiglasscheiben, dahinter Drähte und sechs Messsonden. Die belauschen die Kommunikation der Bienen.
Wie bedroht sind Bienen und Insekten?
Johannes Selmansberger macht mit bei einem deutschlandweiten Forschungsprojekt. Bienen sind vielen Gefahren und Belastungen ausgesetzt: Pestizide, Monokulturen mit geringem Nahrungsangebot, die Varroamilbe, ein Schädling, der den Bienen zusetzt. Was für Auswirkungen hat das? Auf die Bienen aber auch auf andere Insekten?
Um das zu beantworten, hat der renommierte Bienenforscher Randolf Menzel rund 30 Imker in ganz Deutschland mit Forschungstechnik in Bienenstöcken ausgestattet, auch Johannes Selmansberger. Er erhofft sich, "ein bisschen Klarheit über das, was im Bienenstock abgeht. Ich will ein bisschen was lernen von meinen Bienen", sagt der Imker. Zwei Jahre arbeitet Selmansberger schon mit am Forschungsprojekt. Bisher hat er noch keine Rückmeldungen, keine Ergebnisse bekommen. Doch das ändert sich jetzt. Gleich spricht er mit Bienenforscher Randolf Menzel per Online-Meeting.
Bienen laden sich elektrostatisch auf
Und so funktioniert die Messtechnik im Bienenstock: Wenn Flugbienen zurück in den Stock kommen, erzählen sie anderen Bienen, wo sie gute Futterplätze erspäht haben, indem sie die Informationen tanzen: welche Richtung, welche Entfernung. Das ist der berühmte Schwänzeltanz. Wie die Bienen die Informationen aus dem Schwänzeltanz aufnehmen, hat viel mit Elektrotechnik zu tun. Bienen laden sich während des Flugs elektrostatisch auf. Kommt die Biene zurück in den Stock, hat sie unter Umständen eine Oberflächenspannung von bis zu 450 Volt. Wenn sie dann tanzt, nehmen die anderen Bienen die elektrostatischen Schwingungen auf. Auch die Messsonden greifen diese Signale ab. Sie belauschen so die Kommunikation der Bienen und messen, wie aktiv und vital das Bienenvolk ist. "Wenn ein Volk nicht aktiv ist, wenn ein Volk nur rumhängt, dann kann man das elektronisch messen, aber ich kann das nicht immer sehen", erzählt Imker Selmansberger: "Deshalb bin ich eben gespannt, was die Messungen ergeben."
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| Bild: FU Berlin |
Hinweise auf diese Gefahren lieferten bisher vor allem Studien an einzelnen Bienen. Wie sieht es aber unter realen Bedingungen in einem ganzen Volk aus? Um das herauszufinden, hat Menzels Team die Messtechnik im Bienenstock entwickelt. Das langfristige Ziel ist, dass die Bienen mit Hilfe der Kästen die Umwelt nach Gefahren ausspähen. Deshalb nennt Randolf Menzel sein Projekt "Umweltspäher": "Ein utopisches Ziel wäre, dass wir überall in ganz Deutschland lauter Umweltspäher-Kästen haben, die über das Internet uns mitteilen, ganz schnell, da geht’s uns gerade schlecht, da geht’s uns gut."
Ohne Kommunikation wird das Volk geschwächt
Sie seien aber noch lange nicht in der Nähe dieser Utopie, sagt der Bienenforscher. Doch erste Ergebnisse gibt es bereits. Ein Imker aus Brandenburg hat für Menzel zwei Mess-Bienenstöcke aufgestellt. Einer stand bei einer Streuobstwiese, die biologisch bewirtschaftet und deshalb nicht gespritzt wurde. Der andere Bienenstock stand in die Nähe einer Apfelplantage, auf der intensiv gespritzt wurde.
Die Bienen bei der Streuobstwiese tanzten und kommunizierten ausgiebig. Ganz anders bei der gespritzten Plantage: Dort hörten die Bienen komplett auf zu tanzen. "Wir haben einen richtigen Schreck bekommen", erzählt Bienenforscher Menzel: "Wir haben gedacht, mein Gott, also das ist ein Eingriff, der sozusagen auf die Essenz dieses Lebewesens trifft." Die fehlende Kommunikation kann das ganze Bienenvolk schwächen und es anfälliger für Krankheiten, harte Winter und andere Belastungen machen.
Diese Messung fand in Brandenburg statt, aber wie geht es den Bienen von Imker Selmansberger? Rund um seinen Wohnort in Kapfing im Landkreis Landshut gibt es einige Biolandwirte, und so manche natürliche Wiese. Eigentlich gute Voraussetzungen, doch Bienen fliegen kilometerweit, erzählt der Imker: "Wir haben da aber noch Felder, an denen natürlich auch viele chemische Mittel ausgebracht werden. Aber ich weiß jetzt nicht, beeinflussen die meinen Bienenstock oder beeinflussen sie ihn nicht."
Selmansberger geht in sein Arbeitszimmer und schaltet sich in die Videokonferenz mit Bienenforscher Menzel. Der hat gute Nachrichten: "Herr Selmansberger, ich kann Sie vor allem erstmal beruhigen. In der Zeit, in der wir die Daten ausgewertet haben, sind Ihre Bienen voll in Schuss. Sie sind sehr lebendig und kommunizieren und tanzen kräftig." Erleichterung beim Imker. Das decke sich mit seinen eigenen Beobachtungen. Aber er allein sei nicht der Maßstab, vielen Völkern gehe es nicht so gut: "In der Summe würde ich mir wünschen, dass die Imkerei wieder ein bisschen einfacher wird und dass man ein bisschen mehr Rücksicht auf die ganze Umwelt nimmt."
Die Datenmengen, die von den Umweltspähern bisher erfasst worden sind, sind riesig und noch dauert die Auswertung an. Doch die Hoffnung von Bienenforscher Menzel ist, daraus irgendwann ein Warnsystem zu entwickeln. Die Bienen spähen die Umwelt aus und weisen über ihren ausbleibenden Schwänzeltanz auf Gefahren und Belastungen hin, die nicht nur sie, sondern auch viele andere Insekten, Wildbienen und Hummeln treffen.
https://www.br.de/nachrichten/wissen/landshut-spion-im-bienen-stock-soll-gefahren-durch-pestizide-erkennen,S6J76zm?UTM_Name=Web-Share&UTM_Source=Link&UTM_Medium=Link
Mittwoch, 20. Mai 2020
Bericht zur Lage der Natur
Besonders kritisch sei die Lage für Schmetterlinge, Libellen und Käfer, kritisierte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bei der Vorlage des Berichts in Berlin. Aber auch bei Vögeln sei die Entwicklung dramatisch, "wir haben heute nur noch ein Zehntel der Rebhühner und Kiebitze, die wir vor 25 Jahren hatten". Dass die Landwirtschaft Schuld an dem Trend sei, zeige, dass die Vogelbestände in den Städten zunehme, während sie auf dem Land auffällig stark sinke.
Grundsätzlich attestierte Schulze nur einem Viertel der Natur einen gesunden Zustand. In 69 Prozent der Lebensraumtypen herrschten dagegen "ungenügende oder schlechte" Zustände. Nur eine Region wurde ausdrücklich als Ausnahme genannt: die Alpen.
Für den Bericht (Link zum Download der Ergebnisse) waren 14.000 Daten von Behörden und ehrenamtlichen Naturschützern der vergangenen sechs Jahre zusammengefasst und ausgewertet worden. Heute will die EU-Kommission ihre neue Biodiversitätsstrategie vorlegen. Mal sehen, wie lange Neonicotinoide und Co noch erlaubt bleiben.
Mittwoch, 8. April 2020
Pestizide stören Gehirnentwicklung von Bienenbabys
Fast 100 Bienen aus den verschiedenen Bienenvölkern wurden von den Forschern unter die Lupe genommen. Ergebnis: Jene Babybienen, die Pestiziden ausgesetzt waren, hatten kleinere Gehirne, wodurch sie später im Leben ihre Aufgaben schlechter erfüllen konnten. Dauerhaft und irreversibel
Studienmitautor Richard Gill vom Imperial College London sagte: "Beunruhigend ist in diesem Fall, dass, wenn junge Bienen mit Pestizid-kontaminiertem Futter gefüttert werden, Teile des Gehirns weniger wachsen, was dazu führt, dass sie auch als erwachsene Bienen kleinere und beeinträchtigte Gehirne besitzen – ein Effekt, der dauerhaft und irreversibel zu sein scheint." Folge: Die Bienen sind nicht in der Lage, Futter zu suchen.
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| Mikro-CT-Scan des Gehirns einer Babybiene © Bild: Dylan Smith / Imperial College London |
Der Vergleich mit unbelasteten Bienen ergab, dass die mit Pestiziden gefütterten eine deutlich verminderte Lernfähigkeit zeigten. Die Mikro-CT-Scantechnologie zeigte auch, dass bestimmte Teile eines Hummelgehirns anormal wuchsen, wenn sie während ihrer Larvenphase Pestiziden ausgesetzt waren.
Der Hauptautor der Studie, Dylan Smith, denkt, dass es sich um eine dauerhafte Wirkung handeln könnte: "Es gibt immer mehr Hinweise, dass sich Pestizide im Inneren von Bienenvölkern ansammeln können."
Sonntag, 5. April 2020
Podcast zum Insektenatlas (2/3)
Ein Podcast mit:
Peter Krenz, Geschäftsführer des Ökodorfs Brodowin
Bärbel Gerowitt, Professorin für Agrarwissenschaft in Rostock
Katrin Wenz, Agrarreferentin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)
Quelle: https://www.boell.de/de/media/soundcloud/insektenatlas-pestizide-23























