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Montag, 12. Oktober 2020

Stadtleben macht Hummeln größer

Nicht nur die Menschen zieht es in die Städte - auch die Hummeln fühlen sich dort mittlerweile pudelwohl. Und den Stadthummeln sieht man ihr Cityleben mittlerweile sogar an, sie werden immer größer.

Erdhummel (Bild: Claudia Wollesen)
Erdhummel (Bild: Claudia Wollesen)

Stadthummeln sind größer und dadurch effizienter, haben Antonella Soro und Panagiotis Theodorou, Zoologen der Universität Halle, in einer Studie herausgefunden. Sie sammelten 1.800 Hummeln aus neun Großstädten und ihrem Umland ein und vermaßen sie. Dabei konzentrierten sie sich auf drei in Deutschland häufig vorkommende Arten: die Steinhummel (Bombus lapidarius), die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Außerdem beobachteten die Forscherinnen und Forscher an jedem der insgesamt 18 Standorte, wie oft Hummeln eigens gezüchtete und vor Ort ausgesetzte Rotkleepflanzen besuchten. Daraus wurde im Anschluss die Bestäubungsleistung berechnet. 

Die Körpergröße steht im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel eines Organismus und ist auch ein Indikator für Lebensdauer und Leistungsfähigkeit von Lebewesen. "Größere Hummeln können besser sehen, besser lernen und haben ein größeres Erinnerungsvermögen. Sie werden auch seltener von Fressfeinden attackiert und können weitere Distanzen zurücklegen. Das bedeutet, dass sie pro Flug mehr Blumen anfliegen können, mehr Pollen transportieren und so bessere Bestäuber sind", heißt es in der Studie. Die größeren Hummeln verfügten über größere Muskeln und größere Flügel. Sie könnten daher besser mit Wind umgehen und sich besser um Hindernisse herum manövrieren. Die Vorstellung von einer dünnen, agilen, windschnittigen Hummel ist also falsch. Ganz im Gegenteil: Je größer die Hummel, desto besser und weiter kann sie fliegen. Und desto besser könne sie auch bestäuben, erklärte Panagiotis Theodorou.


Panagiotis Theodorou (Bild: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Zugleich zeigten frühere Studien, dass größere Hummeln mehr Pollen mit sich führen. Das sei effizienter sowohl für die Bestäubung als auch den eigenen Verbrauch, betonte der Hallenser Zoologe weiter. Im Schnitt seien Stadthummeln vier Prozent größer als die Verwandten vom Land. Vor der Untersuchung sei das Ergebnis nicht klar gewesen, ergänzte seine Kollegin Antonella Soro. Denn es gäbe gute Gründe, dass Hummeln in der Stadt kleiner sein sollten als ihre Artgenossen auf weiter Flur. Einer davon sei, dass große Hummeln etwa Probleme mit Hitze hätten.


Antonella Soro (Bild: Antonella Soro)

Die Hummeln müssten ihre Temperatur stärker regulieren und das koste sie Energie. In heißen Umgebungen - wie in Städten - sei es daher effizienter, klein zu sein. In Stadtzentren, wo es am wärmsten ist, wäre es also eigentlich vorteilhafter, klein zu sein. Dennoch sind die Tiere größer. Es müsse also einen wichtigeren Grund geben, dass sich Hummeln anders entwickeln. Den fanden die Forscher schon heraus: Verglichen mit modernen landwirtschaftlichen Flächen gebe es in der Stadt mehr grüne Flächen. Oft seien die Parks aber weit voneinander entfernt, so dass es nur größeren Hummeln gelingt, die Distanzen zu überwinden. In der Studie wurde die Größe der Hummel in Zusammenhang mit dem Grad der Fragmentierung in den Städten gesetzt. Heraus kam eine eindeutige Verbindung zwischen der Menge der Straßen und der Größe der Hummeln. Auch wenn die Lebensbedingungen also nicht optimal sind, könnten sich die Tiere ihrer Umgebung anpassen, betonte Soro. Die Evolution gehe weiter - aber nicht ewig:

"Hummeln können ja nicht zu Drei-Meter-Super-Monster-Hummeln werden. Also sollten wir die Tatsache, dass sie wachsen, eher als Warnsignal werten. Sie reagieren auf Fragmentierung, aber das bedeutet eben auch, dass sie gestresst sind. Also darf die Fragmentierung der Städte nicht weiter voranschreiten, so weit nämlich, dass Hummeln irgendwann damit nicht mehr zurechtkommen."

In den Städten sollten deshalb Grünflächen erhalten und zugleich weniger bewirtschaftet werden. Je länger eine Wiese blühen kann, desto mehr Insekten könnten dort leben. Darüber hinaus könnten Stadtplaner Parks und Wiesen durch Alleen, begrünte Fassaden und Dächer miteinander verbinden. Das komme nicht nur den Insekten, sondern auch den Menschen zugute, weil solche "grünen Korridore" auch kühle frische Luft in die Stadt transportierten. 

Samstag, 3. Oktober 2020

Tausende Gärten - Tausende Arten

Kennt Ihr schon das Projekt „Tausende Gärten - Tausende Arten“? Die Bundesregierung und mehrere Organisationen möchten damit die biologische Vielfalt fördern und die 36 Millionen Bundesbürger mit Garten für einheimische Wildpflanzen begeistern.


Auf der Homepage www.tausende-gaerten.de sind jede Menge Informationen zu naturnahem Gärtnern geboten - und eine Plattform, um sich bundesweit darüber auszutauschen. Derzeit befindet sich eine Karte im Aufbau, in die sich Teilnehmer eintragen und sogar Bilder von ihren grünen Inseln präsentieren können. Zum einen können so Anregungen für die eigene Oase gewonnen werden, zum anderen wird auf einen Blick ersichtlich, wo noch unüberwindbare Wüsten für Insekten sind.


Wenn sich immer mehr Garten- oder auch Balkonbesitzer der naturnahen Arbeitsweise verpflichten, blüht mit einheimischen Wildpflanzen die biologische Vielfalt wieder auf, weil Wildbienen, Schwebfliegen, Käfer, Vögel und viele weitere Tiere in den Garten und auf den Balkon gelockt werden. Auf der Homepage sind dafür praktische Tipps zur Anlage und zur Pflege eines solchen Gartens zu finden, inklusive vieler Informationen über ausgewählte Pflanzen und Tiere. Mittelfristig wollen die Initiatoren auch ein Netzwerk von Gärtnereien und Gartencentern aufbauen, die auch entsprechendes Saatgut und Pflanzen anbieten. Bislang ist es nämlich gar nicht so einfach, regional passendes Saatgut zu kriegen. Aber eine erste Saatgutmischung für sonnige, trockene Standorte wurde bereits entwickelt. Sie enthält gut 20 Arten, darunter Wiesenflockenblume, Schafgarbe, wilde Karde und Klatschmohn.


Für den Fleiß gibt's auch einen Preis: Wer möchte, kann seinen Garten zur Prämierung anmelden und kriegt bei vorbildlicher Arbeit das Gütesiegel, eine Plakette in Gold, Silber oder Bronze. Dabei sind die Disziplinen dieser Olympiade nicht weniger schweißtreibend als mancher Sport 😉, so weisen die Musterbeispiele für naturnahe Gärten neben einheimischen Wildpflanzen auch begrünte Dächer oder Bauwerke aus unbehandeltem Holz, Biotope aus Sand oder Wasser und Nisthilfen für Vögel, Insekten und Kleinsäuger.

Alle Bilder: Tausende Gärten - Tausende Arten

Dienstag, 22. September 2020

Naturnaher Garten für Hummeln und Co


Die Vorsitzende des Imkervereins Gräfelfing und Umgebung, Annette Rosellen, hat anlässlich einer Kunstausstellung einen Vortrag zum Thema naturnahe Gärten für Insekten gehalten. Das Thema der Ausstellung vom Kunstkreis Gräfelfing war "Phänomenal floral", eine Schau mit Gemälden, Skulpturen und Fotos zu Pflanzen in all ihren Stadien, und hatte geradezu nach einem Brückenschlag zu allem, was im Garten kreucht und fleucht, verlangt. - Eine "perfekte Symbiose", urteilten sowohl Annette Rosellen als auch Organisatorin Ingrid Gardill. Die Ausstellung in der Gartenstadt-Villa - direkt neben dem Lehrbienenstand des Vereins - ist noch bis 4. Oktober zu sehen.

Der Vortrag war leider nur einmalig angesetzt, kann aber (mit und ohne Referentin) bei Annette Rosellen angefordert werden. Darin ging sie zunächst auf Beispiele ein, wie künstlerisch manche Wildbienen im Garten wirkten: etwa die Auen-Schenkelbiene, die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene oder Blattschneiderbienen.


Danach empfahl sie für Insekten geeignete Pflanzen, warb um ein Blühangebot während der gesamten Saison und rief die Hausbesitzer auf, auch Unordnung in ihren Gärten zuzulassen. Konkret sollten etwa der englische Rasen durch eine Blumenwiese ersetzt, Stauden bis zum nächsten Frühjahr stehen gelassen und auch offene Böden als Nisthilfen für Wildbienen angeboten werden. Darüber hinaus sollten Mähintervalle verlängert und schon gar keine Mähroboter eingesetzt werden. Auch eine nächtliche Beleuchtung im Garten schade den Insekten, sie "fliegen sich rund um die Lichtquelle tot", bedauerte Annette Rosellen.


Auch die weiterführende Literatur kann beim Imkerverein Gräfelfing und Umgebung ausgeliehen werden!